Mittwoch, 9. August 2017

Das eiserne Tor - Landschaftlicher Höhepunkt der Tour

Bersasca (Rumänien) - Kladovo (Serbien)
99 km
595 Hm
Temperaturen stellenweise auf der Straße manchmal 40 Grad, aber sonst nicht so heiß

Unsere Räder standen schon vor dem Frühstück startklar bereit. Heute sollten wir den schönsten und spektakulärsten Teil unserer Tour durchfahren. Zwei Anstiege standen auf dem Programm, die es in sich hatten. Auch Schiebestrecken ab 5% -8% waren dabei, es ging nicht mehr sitzend auf dem Rad.
Die Temperaturen waren anfangs recht angenehm, in Bersasca war es sehr windig. Im Verlauf der Strecke nahm der Wind aber ab und wir hatten "nur" noch gegen die Höhenmeter anzukämpfen.  Die ersten 70 km waren spektakulär. Es ist einfach nicht zu beschreiben für Jemanden, der das nicht gesehen hat. Insofern wird der Blog heute etwas kürzer. Es waren nur Postkartenmotive, blauer Himmel, klare Sicht und wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wer sich mal einen Überblick darüber verschaffen will, kann ja mal die Postkartenmotive bei Wikipedia zum Eisernen Tor nachsehen. Das haben wir wirklich so fast alles gesehen, bis auf die Ansichten, die man nur von der serbischen Seite aus sehen kann. Wir fuhren ja auf der rumänischen Seite der Donau. Ich hatte oft den Eindruck, auf einer kroatischen Küstenstraße zu fahren und das gegenüberliegende  Donauufer ist eine vorgelagerte Insel. Die Donau ist riesig breit und verengt sich dann an ihrer schmalsten Stelle auf 200 m. Der Donaudurchbruch insgesamt besteht aus mehreren Schluchten. Auf unserer Seite hatte auch alles einen sehr maritimen Charakter mit Häfen, Stränden, Bars, Gästehäusern, Gaststätten und vielen Touristen. Mit einem Kreuzfahrtschiff hier lang zu fahren ist bestimmt auch toll, aber wir konnten anhalten, wo wir wollten. Allerdings haben wir bisher noch kein einziges Kreuzfahrtschiff gesehen, ausser in Budapest an der Kettenbrücke, am Startpunkt unserer Tour.
Ab Orsova, von dort waren für uns noch etwa 30 km bis zum Ziel zu fahren, begann leider auch der bisher häßlichste Abschnitt der Tour. Auf einmal nahm der Verkehr so stark zu,  dass zu viele Blicke nach rechts oder links schon lebensgefählich wurden. Mal war ein Seitenstreifen da, mal wieder auch nicht und besonders auf Brücken verengte sich die Fahrbahn. Es war wirklich schlimm. Einmal überholte uns ein Bus (!) so knapp, dass sehr leicht etwas Schlimmes hätte passieren können. Wir wollen da auch keine Panik machen oder Euch Mitleser verängstigen, aber dieses Überholmanöver hat uns noch beim Abendessen beschäftigt.
Dann hatten wir den Staudamm Derjab 1 erreicht, der gleichzeitig mit der Überfahrt darüber der Grenzübergang nach Serbien ist. Bei der Grenzkontrolle auf rumänischer Seite mussten wir etwas warten, es gab wieder Computerprobleme. Der Grenzbeamte nahms locker und sagte schmunzeld nur "Taliban". Die Einreise nach Serbien verlief in Rekordzeit, die Landstraße war jetzt kaum noch befahren und schnell waren wir in Kladovo. Ein netter Ort mit einer Fußgängerzone, die eigentlich nur aus der Aneinanderreihung von Gaststätten und Straßencafés bestand. Hier fanden wir auch unseren Platz. Unser Frühstück für morgen haben wir im Supermarkt direkt unter unserer schicken Pension eingekauft.
Morgen werden wir schon in Bulgarien sein.

Montag, 7. August 2017

Schöne Gegend und ein Ruhetag

Bela Crkva (Serbien) - Berzasca (Rumänien)
104 km
379 Hm
konstant 23 Grad, die Snne kaum gesehen

Nicht weit von unserer Pension Lilly, direkt an der Hauptraße, kamen wir an einem kleinen Badesee  vorbei. Hier konnten wir gut frühstücken. Am Wochenende muss hier richtig was los gewesen sein. Die Kellner genossen die Ruhe am frühen Montagmorgen.
im Wasser standen Tische und Stühle sehr weit im Wasser, von manchen Stühlen ragte nur noch ein Stück Lehne raus. Die Poolbar hatte bei der Hitze des Wochenendes bestimmt guten Umsatz.
Wir waren über die kühlen Temperaturen recht froh. In der Nacht hatte sich die Luft merklich abgekühlt und mehr als 22-23 Grad wurden es heute den ganzen Tag nicht. Das tat uns sehr gut.
Heute sollten wir Serbien verlasssen und nach Rumänien reinfahren. Wir werden zwar  noch einmal das Donauufer wechseln und in Serbien (in Kladovo) übernachten, verlassen dann aber Serbien endgültig und werden dann in Bulgarien (Vidin) angekommen sein. Alle 5 Länder unserer Donautour stehen dann auf unserem Zettel.
In Richtung Rumänien mussten wir glelch die ersten zusammenhängenden Höhenmeter fahren, es war eine lange Rampe. Aber die Steigung war moderat, es war kühl und es war gleich am Anfang des Tages. Nennenswerte Steigungen gab es dann nicht mehr, aber durch das ständige bergauf und bergab kamen doch zum Ende des Tages 379 Hm zusammen.
Am Grenzübergang lief alles ganz locker ab. Grenzer und Zöllner  waren nett und wir plauderten sogar etwas miteinander. das Übliche, woher, wohin, wieviel km,  wo kommt ihr her usw. Aber eine Frage wurde uns schon mehrmals gestellt, die wir komisch fanden:
"Machen Sie hier Urlaub?" Ja glauben die vielleicht, wir fahren den langen Weg, um hier zu arbeiten? Aber sicher hat das einen tieferen Sinn und dient irgendeiner Statistik. Nach der Grenze führte uns unser Weg über 30 km um 180 Grad zurück, also Weg von unserem Ziel. Das hatte 2 Gründe, erstens wollten wir nicht den direkten Weg über die Berge nehmen und zweitens war das bedingt duch den Grenzverlauf und natürliche Bedingungen (Wasser, Flüsse, Berge). Der Umweg war ca. 40 km länger als die direkte Verbindung, aber es hat sich voll gelohnt. Wir fuhren die gesamte Zeit auf asphaltierten und wenig bis gar nicht befahrenen Straßen, einen großen Teil direkt an der Donau entlang. Es war wunderschön. Eric sagte, dass er sich das genauso auch vorgestellt hat. Und nun war es endlich soweit.
Es war der bisher schönste Streckenabschnitt unserer Tour.
Hier sind wir jetzt mitten in den Nationalparks in Serbien und Rumänien, die auf das eiserne Tor zulaufen, dort wo die Donau mit nur 200 m ihre engste Stelle hat und 120m tief ist. Die Felswände rechts und links ragen bis zu 300 m in die Höhe. Da werden wir morgen sein und freuen uns auf die spektakuläre Natur.
Unterwegs, jetzt in Rumänien, bemerkten wir schon Veränderungen. Die Menschen sehen anders aus, schwarze Haare und fast schwarze Augen, es wird viel barfuß gelaufen, Kinder rufen uns hinterher und die ersten Hunde bellten uns laut an und rannten neben de Fahrädern her. Ich habe schon mal mein Pfefferspray in Reichweite postiert. So ein elektronisches Dingsbums, welches hochfrequente Töne aussendet und für die Hunde ungefährlich ist, scheint aber auch zu wirken. Schon ausprobiert.
Aufgefallen war uns das schon in Serbien, wurde hier aber noch schlimmer, das sind die vielen Müllberge rechts und links im Straßengraben und Plastiktüten in den Bäumen. Das  ist echt eklig. Das sind wirklich Dreckschweine. Da nützt die beste Tourismusoffensive nichts, wenn sich da nichts ändert. Dabei sieht es in den Dörfern gar nicht so schlimm aus. Fußweg, Entwässerungsgraben, Straße sind komplett zubetoniert und vor dem Haus stehen entweder Blumenkästen, Kübelpflanzen oder am Entwässerungsgraben sind Blumen gepflanzt. Es ist nicht richtig Armut, wie wir das in Indien gesehen haben, aber gut gehts den Leuten bestimmt doch nicht.
Die erste Mahlzeit in Rumänien zu kriegen war nicht einfach, denn wir hatten kein Geld. Im ersten Geldautomaten, von der Grenze bestimmt 60 km entfernt, bekamen wir nichts. Wir waren froh, dass unsere Karte wieder raus kam. Blöder Scherz ich weiß.
Schließlich gelang es uns doch an Bargeld zu kommen und wir konnte essen gehen. Auf der rumänischen Speisekarte gab es für uns nur wenige Anhaltspunkte, was wir essen könnten. Snitel hörte sich gut an und das kam dann auch, auf unserer ausdrücklichen Wunsch mit etwas Salat (Eric: Tomatski, Gurkski). Es hat geklappt und der Kellner hats kapiert. Gut, dass Eric so ein Sprachgenie ist.
Ein bißchen muß noch am Service gearbeitet werden, die Colabüchse wurde auf den Tiasch geknallt, aber das Schnitzel hat geschmeckt.
Unterwegs sahen wir fast an jeder nur möglichen Stelle an der Donau kleine Zelte, Autos, Wohnwagen. vor denen Angler saßen. 4, 5, 6 Ruten waren aufgestellt. Wir haben aber noch nie gesehen, dass jemand was gefangen hat. Das wäre hier was für Kalle!
Unterkunft fanden wir in der Pension Isabella. Ein kleines Zimmer, aber die Lage ist so einzigartig, dass wir beschlossen haben, hier einen weiteren, unseren zweiten, Ruhetag einzulegen. Das hatten wir uns nach den Strapazen der vergangenen 4 Tage auch ein bißchen verdient. Wir werden in der Pension gut versorgt, das Zimmer mit Frühstück für rund 31 EUR, Bier geht natürlich extra.
Abendessen kriegen wir auch, sollen nur eine Stunde vorher Bescheid sagen und es wird uns was gebruzelt. Es könnte uns schlechter gehen!
Wir haben heute nichts gemacht. nur unter dem Terassendach gesessen und aufs Wasser geschaut. Die Donauwellen plätschern an der Terrasse vor sich hin und wir haben einen phantastischen Blick auf Donau und umliegende Berge.
Etwas Wäsche waschen und Wasser für morgen kaufen waren auch noch Beschäftigungen genauso wie das Buchen der nächsten 2 Unterkünfte, etwas Streckenplanung und Fahrrradpflege.
Leider habe ich ein bißchen Magen- / Darmprobleme bekommen und hoffe nun, dass ich morgen keine Probleme beim Fahren kriege. Ist ja auch kein Wunder, seit über einer Woche diese Temperaturen, 4-5 Liter Wasser am Tag, dazwischen kalte Cola, irgendwann kommt das eben so und gehört auch dazu.
Sitzbeschwerden habe ich eigentlich nie, aber bis zu 9 Stunden auf dem Rad und dann durchgeschwitzte Radhosen, da ist schnell was wundgerieben. Seit unseren Urlauben auf Teneriffa stehe ich ja auf Aloevera. Das hilft bei mehreren Sachen. Ich hatte hier nur 200fach Konzentrat in einer großen After-Sun Tube. Müßte doch von der Begrifflichkeit das Richtige sein, oder?

Sonntag, 6. August 2017

Serbien ist (fast) durchquert

Pancevo - Bela Crkva
(immer noch Serbien, nördlich der Donau, kurz vor der rumänischen Grenze)
88 km

Die Strecke sollte heute nicht so anspruchsvoll werden, dachten wir zumindest.
Frühstück war heute beim Zimmer nicht dabei, wir ließen uns Zeit mit dem Losfahren.
Schon der erste Eindruck vom Wetter war heute anders als sonst. Sehr zeitig hatten wir schon hohe Temperaturen und es war unangenehm schwül, nicht mehr so die trockene Hitze der vorangegangenen Tage.
Noch in Pancevo an der Hauptverkehrsstraße machten wir einen Halt. Beim Bäcker frische Backwaren und von einem Händler frische Tomaten gekauft - fertig war das beste Frühstück dieses Morgens. Wir genossen es im Schatten unter hohen Bäumen am Straßenrand.
Unterwegs auf einer heute wenig befahrenen Landstraße - es ist Sonntag - kamen wir mit zügigem Tempo gut voran. Viel zu sehen gab es nicht. Endlose Mais- oder Sonnenblumefelder wechselten sich ab. Dann mussten wir von der Landstraße auf den Dammweg wechseln. Knapp über 20 km standen uns bevor ohne Schatten und extrem schlechtem Weg. Es war nur eine Schotterpiste aus festgefahrenen Kieselsteinen, Grasnarben und Sand. Wir kamen kaum voran und mussten sehr konzentriert fahren, kaum mit einem Blick auf die doch schöne Landschaft ringsum. Einen Sturz wollten wir auf keinen Fall riskieren. Die Überschrift für heute hätte auch "Das glaubt uns keiner, Teil 3" lauten können. Temperaturen durchgängig 45+ bis stellenweise 52 Grad. Anhalten wo? Es gab keinen Schatten. Also treten, treten, treten was das Zeug hält, damit die Quälerei möglichst ein schnelles Ende findet. Es war die Hölle und dieser Teil heute  verlangte von uns wirklich viel Kraft, und wenn die zu Ende ging, musste der Wille einspringen. In meinem Baltikum-Blog aus dem Jahr 2015 habe ich damals geschrieben, "und wenn du denkst, du kannst nicht mehr, hast du immernoch 40%". Da waren wir heute bestimmt ganz dicht dran.
Aber irgendwann hatte die Qual ein Ende und wir waren endlich im nächsten Ort angekommen.  Leider gab es die auf der Karte eingetragene Gaststätte nicht (mehr) aber glücklicherweise hatte ein kleiner Kiosk offen. Tomaten, Paprika, Bananen und Cola waren heute das beste Mittagessen des Tages. Der Händler wusch uns noch die Tomaten und die Paprika, gab uns ein Messer und weil kein Brot mehr im Laden war, gab er uns von seinem privaten Vorrat was ab.
Beim Essen auf ener Bank machten wir die Bekanntschaft mit 2 Jungen, ob Sinti, Roma oder nicht, ausgesehen haben sie jedenfalls so. Sie ließen uns nicht aus den Augen, stellen sich mit ihren Fahrrädern direkt vor uns auf und beobachteten uns beim Essen. Irgendwann versuchten sie dann, mit uns ins Gespräch zu kommen. Und - zu meiner Überraschung, es klappte auch stellenweise. Einige russische Vokabeln, Zahlen, Familienverhältnisse, woher, wohin usw. war durchaus möglich. Ich hatte meinen Spass.
Als wir losfuhren, begleiteten sie uns noch ein Stück, aber als wir dann richtig Fahrt aufgenommen hatten, trennten sich unsere Wege. Wir hatten noch etwa 20 km vor uns bis zu unserem Ziel Bela Crkva. Auf einmal kam kräftiger Wind auf, direkt von vorn. Mensch, uns bleibt heute wirklich nichts erspart, dachte ich. Auch die letzten 20 km waren ein hartes Stück Arbeit.
Nach 2 vergeblichen Versuchen in Hotels, fanden wir die Pension Lilly. Wir haben ein geräumiges Zimmer mit 3 Betten, Küchenzeile und Balkon. Gut, die Küchenzeile ist geschenkt, aber auf dem Balkon wird unsere Wäsche bei dem Wind und der Wärme gut trocknen bis morgen. Eine Gaststätte fanden wir 5 Minuten weiter und ließen uns die Cevapi und das Bier schmecken.
Morgen soll es landschaftlich sehr schön werden. 100 km stehen an. Mit der Unterkunft sind wir optimistisch, wir werden was finden.
Das Wetter schlägt um. Wir werden uns auf eisige Temperaturen einstellen müssen, nur noch 31 Grad, huh.
Allen Mitlesern wünsche ich einen guten Start in die neue Woche.

Im Umland von Belgrad

Backa Palanka - Pancevo (Serbien)
92 km
239 Hm
Max. Temperatur wieder 51 Grad in den Straßen von Belgrad

Heute wollten wir zeitig losfahren, um pünktlich vor 18 Uhr in unserer Unterkunft zu sein. Das Frühstück bestand aus  3 Spiegeleiern mit Brot. Nichts weiter. Auf Anfrage von Eric nach Getränken gabs einen komischen Blick und dann bekamen wir noch ein Glas Wasser für Eric und für mich einen Kaffee. Das war genauso merkwürdig, wie wir für das Zimmer keine Rechnung bekamen. Die 30 EUR verschwanden in der Hosentasche vom Kellner. Aber sonst war es ja dort OK.
Die Fahrt heute war recht unspektakulär. Bei der Tour de France sagt man Transferetappe dazu. Wenig Abwechslung, wenige bzw. moderate Höhenmeter, Hitze und viel Verkehr prägten das Bild der Fahrt. Nach Belgrad rein verlief die Fahrt problemloser als ich dachte.
Belgrad hat mir auch sehr gut gefallen. Natürlich hatten wir zu wenig bzw. gar keine Zeit für große Besichtigungen. Es war auch sehr heiß und die Temperaturen erreichten in Belgrad wieder ihren Maximalwert mit 51 Grad. Mit den Abgasen des großen Verkehrsaufkommens keine gute Mischung. Die Stadt machte auf mich einen sehr modernen und lebendigen Eindruck. Viele junge Leute, auch viele Touristengruppen, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Eric sagte sehr treffend, Serbien ist ein vergessenes Land. Und das trifft es sehr gut. Nirgendwo gehört Serbiens dazu, nicht zur EU, zur NATO, zu den Visegrad-Staaten. Dabei spürt man in den großen Städten die Weltoffenheit und in den Dörfern sieht es genauso bescheiden oder arm aus wie in Polen, Ungarn oder der Slowakei. Die Welt ist schon kompliziert
In der Nähe des Nationalmuseums fanden wir schnell ein Straßenrestaurant und ließen uns wieder einmal einen serbischen Salat schmecken. Der Kellner erklärte uns noch den Weg, wie wir am besten zur Pancevo-Brücke kommen und dann fuhren wir gegen 15.30 Uhr los. 20 km  waren noch zu fahren. Leider war eine der Hauptverkehrsstraßen in Richtung Brücke gesperrt und wir mussten eine lange Umleitung fahren, bergauf, begab mittendrin im Verkehr. Da hatten wir ihn doch, den befürchteten Stress bei der Ausfahrt aus  Belgrad. Nach der Brücke ginng es damit weiter. Der im Radreiseführer vorgeschlagene Weg auf der Hauptstrasse entfiel. Einheimische rieten uns davon ab, auf der autobahnmäßig ausgebauten Straße zu fahren, weil die Polizei uns dort aufgreifen würde. Uns blieb nach einem kurzen asphaltierten Abschnitt nur der Trail auf dem Dammweg.
Dazu Berichte anderer Radler: Der Dammweg ist nicht befahrbar, er  ist nicht einmal gemäht.
Uns blieb aber keine andere Wahl, als dort zu fahren. Das war auch die offiziell ausgeschilderte Hauptroute vom Eurovelo 6. Wir hätten die Auffahrt zum Dammweg fast verpasst. Nur 2 Eisenbahnschwellen über einen kleinen Graben gelegt und das Schild Eurovelo 6 zeigten uns wenigstens die Richtungen über den Acker zum Dammweg an. Genau an dieser stelle am Wegesrand stand ein kleines altes Haus und ein noch älteres Paar saß im Garten. Unser Wasservorrat war fast am Ende.  Als wir mit unseren Wasserflaschen auf das Gartentor zugingen, stand der Mann sofort auf, öffnete das Gartentor und bat uns herein. Keiner verstand die Sprache des Anderen. Es war aber so rührend und menschlich, dass wir diesen Augenblick nie vergessen werden. Der Mann deutete uns noch an, dass wir auch unser Gesicht erfrischen sollten und versuchte, uns den weiteren Weg zu erklären.
Der Dammweg selbst fuhr sich schwer, wenigstens war er gemäht. Aber er war auch sehr schön. In den Restwasserflächen vom letzten Donauhochwasser sahen wir sehr, sehr viele Grau- und Silberreiher. Auch die Landschaft mit abgestorbenen alten Bäumen, Wiesen- und Wasserflächen war sehenswert. Jedenfalls kamen wir kurz vor 18 Uhr an unserer Unterkunft an, die Vermieterin musste per Telefon rangeholt werden. Ein kleines Zimmer, direkt von der Straße aus zugänglich, die Fahrräder stehen 2 Armlängen vor dem Bett, Dusche mit integriertem WC oder umgekehrt, egal. Zum Schlafen für uns reicht es.
Morgen fahren wir nach Bela Crkva, das ist immer noch Serbien kurz vor der rumänischen Grenze auf der Nordseite der Donau. Wir haben noch keine Unterkunft und lassen es drauf ankommen. Die einzige Pension im Ort will 60 EUR für das Zimmer haben. Das ist deutlich zu viel, aber eben konkurrenzlos. Wir werden sehen. Zur Not haben wir ja unsere Zelte mit. Blöd ist nur, dass morgen Sonntag ist und wir Probleme haben werden, unterwegs was zum Essen zu kaufen. Es bleibt spannend und ich berichte hier.
Einen schönen Sonntag allen Mitlesern!

Freitag, 4. August 2017

Das glaubt uns keiner - Teil 2

Backa Palanka - Beska
83 km inklusive einiger zusätzlicher Kilometer weil ich Eric (oder Eric mich) kurz nach der Brücke nach Petrovaradin verloren habe
248 HM
Maximaltemperatur 51 Grad auf der Brücke von Novi Sad nach Petrovaradin

Es war ein außergewöhnlicher Tag, es wird ein langer Blog.
Das Ritual am Morgen wie immer.
Der Unterschied: wir trafen unseren 79-jährigen alten Mann beim Frühstück wieder, der am Vortag auch im "Fontana" eingecheckt hatte. Wir hatten ja einen Ruhetag, an dem er gefahren ist, immer seine 60-70 km.
Los gings dann zunächst Richtung Novi Sad / Petrovaradin auf einer stark befahrenen Landstraße, auf der wir auch unseren 79-jährigen respektvoll überholten, er war vor uns schon losgefahren Zum Verkehr vielleicht später mal mehr. Es sollte ein heißer Tag werden.
Irgendwo auf der Strecke entdeckte ich zum wiederholten Male einen Stand, an dem Melonen verkauft wurden. Also ran an den Stand und irgendwie verständlich gemacht, dass wir nicht die ganze Melone, sondern nur ein paar Stücke zum sofortigen Verzehr haben wollten. Die Melonen waren riesig, bestimmt 6-8 kg. Die ältere Frau holte ihren Mann, der uns dann ein großes Tablett kleinerer Stücke brachte für 300 Dinar, knapp unter 3 EUR, wir haben da nicht rumdiskutiert, die angeschnittene Melone wird er auch nicht mehr verkaufen können. Unter einem Baum direkt vor dem Stand machten wir es uns gemütlich und genossen die zuckersüßen Melonen. Wer radelte auf einmal fast an uns vorbei? Unser 79-jähriger!
Wir machten uns laut bemerkbar und luden ihn ein. Die Melonenverkäufer bekamen wohl ein schlechtes Gewissen, weil sie uns das Tablett zu einem völlig überzogenen Preis verkauft hatten und brachten Nachschub. Zum Schluss wollte er uns auch noch Geld zurückgeben, was wir aber nicht annahmen.
Mit dem 79 -jährigen hatten wir wirklich ein vergnügliches Gespräch. Er verriet uns auch das Geheimnis, warum er so fit ist: Immer mal ein Schnäppschen, ein Bierchen oder einen Wein und dabei auch nicht die Frauen aus dem Blick verlieren. Wir haben uns köstlich amüsiert. Eric bemerkte nur, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Kein weiterer Kommentar. Zum Schluss machte ich dann noch ein Foto von Eric, dem Melonenverkäufer und unserem besonderen Freund. Schade, dass ich hier unterwegs dieses Foto technisch nicht auf mein Tablett kriege.
Und weiter Richtung Novi Sad auf einem heißen Dammweg.
Unterwegs mussten wir uns entscheiden, welchen Weg wir für die Weiterfahrt nehmen und machten vor einem Café im Schatten kurz halt. Sofort angesprochen von 3 Männern ergab sich folgender Dialog:
Wo kommst du her? Deutschland? Berlin?
Ja. (Ferch oder Potsdam kennt sowieso keiner)
Chonekkerrr ? (das soll Honecker heißen, leider kann man die Aussprache nicht so schreiben) und wo wollt ihr hin?
Rumänien.
In Rumänien alles Ali Baba. (das sollte heißen, dort wird nur geklaut)
Über  Chonnekker musste ich wirklich lachen. Damit wird man hier nun identifiziert.
Aber das war mir wirklich lieber als das "Heil Hitler" zur Begrüßung auf einem Campingplatz bei der Baltikumtour in Estland.
Und weiter gings.
Kurz vor der Ortseinfahrt war noch eine kleine Pause im Schatten fällig. Hier gesellte sich ein junges Pärchen zu uns, die aus Prag kommend bis Belgrad unterwegs ist. Auch eine tolle Tour. Der junge Mann war sehr aufgeschlossen und wir redeten über dies und das. Die junge Frau war total auf der letzten Rille und stand über den Lenker gebeugt neben uns und vielleicht auch neben sich selbst.
Novi Sad. Mir hat die Stadt gefallen.1999 wieder einmal zerstört, auch die NATO flog hier Angriffe und zerstörte die Brücken. Davon ist in der Stadt nichts zu spüren. Viele schöne Häuser, liebevoll wiederaufgebaut oder saniert, die Stadt machte auf mich einen sehr bunten Eindruck. Man müsste wirklich viel mehr Zeit haben. Aber wann? Bei den Temperaturen braucht man Juni bis August wirklich nicht hierher kommen. September wäre vielleicht gut. In der Stadt gibt es wirklich viel zu entdecken. Aber nicht mehr heute. Wir gönnten uns heute hier nur eine kleine Pause.
Auf der Brücke, die Novi Sad mit Petrovaradin verbindet, hat man einen tollen Blick sowohl auf Novi Sad als auch auf die alte Festung selbst.
Auf der Uhr der Festung wurden großer und kleiner Zeiger vertauscht, damit die vorbeikommenden Schiffe die ungefähre Uhrzeit besser erkennen können. Ich hoffe, man erkennt es auch später auf meinem Foto. Auf jeden Fall ist erkennbar, dass zu diesem Zeitpunkt 51 Grad auf der Brücke waren. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um bei den Temperaturen mit Fahrrad und 25 kg Gepäck unterwegs zu sein?
Auf dem weiteren Weg nach Beska wollten wir ein paar km und Höhenmeter einsparen und wählten einen Weg am Bahngleis, der am Anfang asphaltiert war und der später auf einer Schotterpiste endete, bergauf und bergab. Es war nicht mehr lustig. Und dann hatte Eric auf dem Hinterrad noch einen Platten. Ich war schon über den Berg, da kam die Nachricht von Eric. Also wiede 500 m  und etliche Höhenmeter zurück. Glücklicherweise war das eine Stelle im Schatten. Sehr schön gelegen. Haha. Die Panne war schnell behoben und wir waren so zeitig wie bisher noch nicht in unserer Unterkunft. Sehr nettes Hotel und super Essen.
Das war der Tag.
Morgen fahren wir nach Pancevo, quer durch Belgrad. Das gibt Stress.
Aber jetzt erstmal schlafen.

Donnerstag, 3. August 2017

Ruhetag in Backa Palanka

Ich schreibe mal jetzt schon den Blog, dann wird es heute abend nicht so spät.
Über den heutigen Tag gibt es auch nicht viel zu berichten.
Und das war der Tag:
Etwas länger geschlafen, beim Frühstück waren wir lange Zeit die einzigen Gäste im großen Saal,  dann 20 Minuten bis zur Donau gelaufen. Dort suchten wir uns ein schattiges Plätzchen mit einem schönen Blick auf das gegenüberliegende kroatische Ilok. Ein Schwimmer ließ sich stromabwärts treiben. Dabei konnte man gut sehen, welch hohe Strömungsgeschwindigkeit die Donau hier hat. Und die Strömungen sollte man schon kennen, wenn man wieder an das Ufer gelangen will.
Gleich neben der Donau, an einem verbundenen See mit kleinem Hafen, befand sich ein kleiner Badestrand. Zahlreiche kleine Bars und Cafés reihten sich aneinander. Wenn man aber was essen will, wird es schwierig. Meist gibt es nur Getränke. Das merkten wir schon gestern. Letztlich landeten wir doch wieder im Hotel, aber im Innenhof mit Grünanlagen ließ es sich gut sitzen und vor allem gut essen.
Das werden wir heute auch wieder tun, keine langen Wege und Anstrengungen.
An der Strandpromenade fanden wir auf dem Rückweg eine kleine Gaststätte mit Donaublick und ließen uns den serbischen Salat schmecken.
Es war kaum zum Aushalten in der Sonne beim Rückweg. Eric meinte, wenn wir schneller laufen, dann haben wir auch mehr Wind von vorn, wie beim Radfahren.
Das stimmt, auf dem Rad habe ich die Hitze gar nicht so schlimm empfunden wie heute.
Dann kam noch eine Mail von unserer Unterkunft in Pancevo (übermorgen, also am  5. August). Von dort wollten sie wissen, wann wir ankommen, check in ist bis 18 Uhr. Das wird sportlich, so zeitig waren wir noch nie am Ziel, laut Wettervorhersage wieder 40 Grad und wir müssen einmal quer durch Belgrad. Ich habe erstmal geantwortet und unsere Situation erklärt. Wird schon.
Am Nachmittags haben wir noch etwas geschlafen. Sonne und Bewegung haben wir wieder morgen, und das mehr als genug.

Mittwoch, 2. August 2017

Das glaubt uns keiner

Apatin - Backa Palanka
100 km, 290 Hm
Temperatur bis 47 Grad
Maximalgeschwindigkeit 64,15 kmh

Nach einer ruhigen und angenehm kühlen Nacht dank Aircondition und nach dem Frühstück im Hafenrestaurant losgefahren, in Apatin noch Geld geholt, 4 Liter Wasser für unterwegs verstaut und ab ging die Post. Wir wollten die angenehmen 27 Grad noch nutzen, bevor die große Mittagshitze kommt. Wir mussten  wieder auf die kroatische Seite der Donau rüber, um ein paar km einzusparen. Das war der Plan. Bis zur Grenze lief auch alles ganz gut. Auf unserer Seite war es leer, auf der Gegenseite eine lange Kolonne von LKWs.
Über die Donaubrücke rüber konnte man hier sehr gut sehen, was aus der kleinen Donau bei Donaueschingen inzwischen für ein riesiger Strom geworden ist. Das hat mich auch schon bei der Tour im vorigen Jahr so beeindruckt, wie sich der Fluss täglich verändert hat.
Bei der Einreise nach Kroatien mussten wir mindestens 20 min. warten. Eric konnte auf dem Bildschirm erkennen, das irgendwas mit dem Benutzernamen und Kennwort nicht funktionierte. Vielleicht hatte der Grenzer das Passwort vergessen, aber das ist eine Vermutung.
Nach unserem üblichen Cola-Stop ging es dann  schon bei größerer Hitze in Richtung Vukovar. Eric fuhr gleich zum bekannten Wasserturm, der als Mahnmal dieses unsinnigen und grausamen Krieges zwischen Serbien und Kroatien weithin sichtbar mahnt. Die Zerstörungen waren offensichtlich so stark, dass er jetzt teilweise eingerüstet ist und saniert wird. Abwegig, eine Ruine zu sanieren.
Ich drehte mit dem Rad noch eine kleine Runde durch die Stadt. Im ehemaligen Schloss von Graf Eltz ist heute das Stadtmuseum untergebrach, eine Gedenkstätte am Wasser erinnert an den Krieg und die zivilen Opfer, in der sehr schönen Fußgängerzone waren die Cafés gut besucht und die gesamte Innenstadt machte einen sehr gepflegten und freundlichen Eindruck. Bedrückend fand ich einige verlassene aber auch bewohnte Häuser, an denen die Kriegsspuren heute noch sichtbar sind: zahlreiche Einschusslöcher von Maschinenpistolen bis hin zu fussballgrossen Löchern. Die Menschen sind verrückt, jahrelang haben Serben und Kroaten friedlich miteinander gelebt und dann kamen diese schrecklichen "ethnischen Säuberungen", auf beiden Seiten wohlgemerkt.
Am Wasserturm traf ich mich dann mit Eric und wir setzten die Fahrt gemeinsam fort.
Wenn Vukovar nicht so weit weg wäre, würde ich gern nochmal hierher kommen.
Da wir heute fast nur Straße fuhren, war es unterwegs nicht so vielseitig wie direkt neben der Donau. Der grosse Hammer kam dann ca. 30 km vor unserem Tagesziel. Im Radreiseführer liest sich das so:
"Die Strecke nach Ilok fährt sich sehr unangenehm. Immer wieder müssen sie mit 6 bis 8 prozentigen Steigungen rechnen."
Super! Kurz zuvor hatte der Fahrradcomputer 47 Grad angezeigt. Ich dachte so, das glaubt uns zu Hause kein Mensch. Ich fuhr also rechts ran, um im Schatten wenigstens ein Beweisfoto zu machen. Leider war es dann im Schatten wirklich um 1 Grad kühler.
Dann kamen die Steigungen, die wir nicht mehr komplett hochfahren konnten. Es waren also etliche Schiebemeter, vielleicht sogar Kilometer dabei. Am Berg starb dann jeder für sich allein und wir trafen uns immer kurz nach der Kuppe. Ich glaube, das war heute bisher der härteste Tag für uns. Da uns das Hotel hier sehr gut gefällt, die Stadt sehr nett ist, das Essen und das Bier schmeckt und das WLAN gut funktioniert, legen wir morgen unseren ersten Ruhetag ein. Wir hatten Glück, dass unser Zimmer noch zur Verfügung stand.
Wenn ich an die Berge in Bulgarien denke, über die wir rüber müssen, wird mir schon etwas mulmig. Schaffe ich das überhaupt? Ist das eine Nummer zu groß?Eigentlich wollte ich vor unserer Tour schon 2.000 Straßenkilometer in den Beinen haben, um etwas mehr Kondition aufzubauen. Geworden sind es nur knapp über 1.600. Begründungen bzw. Ausreden gibt es genug. Hoffentlich rächt sich das nicht. Ich werd's merken, bin aber noch guter Dinge. Ich denke an den 79-jährigen Mann von gestern!
Für die nächsten 2 Tage unserer Tour habe ich die Quartiere in Beska und Pancevo heute bei booking.com gebucht.

Dienstag, 1. August 2017

Die Temperaturen steigen weiter

Dunaszekcsö - Apatin
95 km incl. Gedenkstätte in Mohacs
Temperatur 40+

Pünktlicher Start gegen 8 Uhr, frische Temperaturen um diese Zeit mit 27 Grad.
Frühstück in Mohacs und weiter in Richtung Grenze auf einem schönen asphaltierten Dammweg. Fast auf dem Weg lag ein für die Ungarn und die ungarische und auch europäische Geschichte wichtiger Platz: Ein Museum und Gedenkstätte einer großen Schlacht gegen die Türken, welche die Ungarn verloren und somit den Weg für die türkische Belagerung frei machten. Diesen Abstecher machte ich allein, Eric fuhr schon weiter Richtung Grenze, wo wir uns später trafen. Leider konnte ich nur einen Blick von außen auf das gesamten Gelände werfen, denn ich hatte keine ungarischen Forint dabei, die waren bei Eric. Der Mann an der Kasse blieb stur und ließ mich nicht mal für nur ein Foto weiter reinkommen. Mit Antje und Anne waren wir aber schon vor ein paar Jahren mal da, aber jetzt ist das Museum in einem riesigen Glaspalast untergebracht.
Der Grenzübertritt nach Kroatien verlief völlig problemlos. Die ungarischen Grenzsicherungsanlagen mit Zaun und NATO-Stacheldraht erinnerten schon auf bedrückende Weise an die Zeiten des eisernen Vorhangs, die ich vergangen glaubte. Unser Abstecher nach Kroatien war sehr kurz, wie waren ja unterwegs in Richtung serbische Grenze.
Zuvor mussten wir die erste nennenswerte Steigung meistern, ca. 100 Höhenmeter am Stück auf einer langen steilen Rampe. Auf dem Navi hab ich mal kurz 9% gesehen. Das war nur eine Andeutung dessen, was uns in Bulgarien erwartet.
Am Ende der Steigung trafen wir auch einen älteren Herren wieder der so wie wir, mit Gepäck an der Donau unterwegs ist, ganz allein. Wir hatten uns schon mit ihm kurz in Kroatien unterhalten. Er ist in Donaueschingen gestartet und fährt jeden Tag so 60-70 km, auch bis ins Donaudelta. Er sagte, dass er unbefristet "Urlaub" hat. Im nächten Jahr will er mit seiner Enkeltochter (13 Jahre) durch Nepal radeln. Ich war sehr beeindruckt und konnte es mir einfach nicht verkneifen nach seinem Alter zu fragen. Mich hat's fast umgehauen, der Mann ist 79! Also da kann ich mir wirklich noch viel vornehmen und mit Finja, Konrad, Fabian und ??? noch auf Tour gehen, yippieh!
Auch der Grenzübertritt nach Serbien verlief ganz unspektakulär. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.
Nach einem guten Mittagessen an einem idyllischen Seitenarm der Donau konnten wir die zweite Hälfte der Tagestour  beginnen. Seit Grenzübertritt über die Donaubrücke stiegen die Temperaturen nun richtig an. Eric gab immer den "Wetterbericht" und hat mir 43,8 Grad zugerufen. Es war schon nicht mehr warm, sondern ein bisschen heiß. Und dann mussten wir uns noch über einen sehr schlecht zu befahrenden Dammweg quälen. Ich will ja nicht sagen, dass das wegen der Temperaturen die Hölle war, aber anstrengend war's schon.
Gegen halb sieben waren wir dann im Hafen in unserem Hotel. Schönes kleines Hotel, Klimaanlage, Blick auf den Hafen, Gaststätte gegenüber, Essen war gut, Bier auch, wir hätten es schlechter treffen können.
Leider kriege im mit dem Telefon keine Onlineverbindung hin, was natürlich für WhatsApp Nachrichten schlecht ist. Aber da müssen jetzt alle durch. Irgendwann sind wir ja in Rumänien und das ist wieder EU. Da dürfte dann meine Karte wieder funktionieren.
Das war's für heute.
Morgen ist so ein "Joker-Tag" . Mehrere Streckenvarianten und unbekannte Straßenqualität. Zwischen 90 und 140 km ist alles möglich.
Es soll übrigens noch wärmer werden, sagen die Einheimischen. Ist nun auch egal, wir nehmen das Wetter, wie es kommt.

Montag, 31. Juli 2017

Es wird wärmer

Solt - Dunaszekcsö
122 km
deutliche Steigerung der Temperaturen, auf dem Deich zwischen 37-40 Grad

Eigentlich sollten es heute nur knapp über 100 km werden, aber nach Baja haben wir uns so blöd verfahren, was uns viel Zeit und Kräfte gekostet hat, weil wir wirklich durch Wildnis gefahren sind. Dabei lagen wir gut in der Zeit. Um 12 Uhr hatten wir schon 50 km auf der Uhr. Und erst gegen 20 Uhr waren wir in unserem Zimmer bei Géza. Dabei haben wir kaum größere Pausen gemacht außer 2x Cola-Stop. Mittagessen fiel komplett aus, es hat sich einfach nicht ergeben. Unser Frühstück um halb 8 war also die einzige Mahlzeit für den Tag. Das müssen wir unbedingt besser im Blick behalten in den kommenden Wochen.
Das Frühstück in Solt war übrigens traumhaft: Spiegeleier, ungarische Kolbasz, im Schmalz gebratenes Toastbrot, div. Grünkram, Hühnerfutter, Joghurt, Marmeladen, Käse, die Frau hatte einfach an alles gedacht, was das Radlerherz begehrt.
Gegen halb 9 fuhren wir dann bei kühlen 26 Grad los. Es war auch bedeckt und die Sonne guckte nur durch ein paar Lücken. OK dachte ich, der Radlergott ist heute milde gestimmt und will uns nicht gleich überfordern. Leider schien dann diese Stimmung doch zu kippen. Auf den langen Deichabschnitten bei 20 km Länge überhaupt keinen Schatten und durchgängig Temperaturen zwischen 37-40 Grad war nicht nur spaßig. Als endlich eine Donaubrücke kam, konnten wir uns im Schatten darunter wenigstens etwas erholen.
Die Stadt Baja  hat mir gut gefallen. Ein schöner Marktplatz, sehr nett renovierte Häuser, am Donauarm ein Strandbad mit vielen Familien im Wasser. Für einen Wochenendausflug leider zu weit weg. 19 Uhr 30 endlich in Dunafalva angekommen stellten wir fest, dass die letzte Fähre um 17 Uhr übersetzte. Super. Was tun? Ein paar Meter entfernt stand ein Polizist, vielleicht der Dorfsherrif und quatschte mit einem Mann. Ich also hin und mit meinen  gebrochen ungarische Sätzen die Lage erklärt: Auf der anderen Seite Zimmer gebucht, nächste Brücke erst in Mohacs, also 20 km hin und dann noch zurück, aber das nicht mehr heute, wir sind schon 122 km unterwegs. Die beiden Männer haben sich kurz beraten und dann hat der Polizist telefoniert. Ergebnis: OK, der Fährmann kommt für euch, kostet aber einen Kasten Bier. Kein Problem, machen wir. Nach einer knappen halben Stunde waren wir  auf der anderen Seite und haben 4.000 Forint bezahlt, was etwa 13 EUR sind. Sowas kann man nicht planen, das kann man nur erleben. Außerdem habe ich dann was für den Blog zum Schreiben.
Der Rest ist schnell erzählt. Rad abrüsten, duschen, Anmeldeformalitäten und bezahlen bei Géza erledigen, wieder rauf aufs Rad und zum Abendessen fahren. Ehrlich gesagt habe ich nicht gedacht, dass wir noch was kriegen. Aber es war eine deutsche Gaststätte, das Ehepaar aus Schwaben war sehr nett und hat uns ein schmackhaftes Essen gezaubert. So hatte der Tag einen prima Abschluss.
Morgen sollte die Strecke kürzer sein. Vielleicht so um die 90 km. Aber da weiß man ja nie ....

Sonntag, 30. Juli 2017

Ein guter Anfang

Sonntag 30. August 2017
Budapest - Solt
105 km
HM bergauf? wenig, flach wie Holland
Sonniges Wetter, zum Angewöhnen nur 30-35 Grad

Gegen halb 9 Uhr hatten wir die Räder gesattelt und los ging es.
Nach genau 250 m fragte mich Eric, wo mein Helm ist. Gute Frage, der lag noch auf dem Hof der Pension. Der Auftakt war also schon mal gelungen. Dann quälten wir uns aus Budapest raus. Es war so wie befürchtet und ist vielleicht in allen Großstädten der Welt so: entlang an Autohäusern, Industrieanlagen, Tankstellen, immer Bahnlinien neben der Straße -  es nahm kein Ende. Immer noch in den Vororten von Budapest (Csepel, Ferencvaros ...) genehmigten wir uns ein Frühstück auf der Treppe eines Mini-ABC. Mit einer Bierdose in der Hand beobachtete uns ein Kunde, bestimmt Stammkunde des Ladens. Weiter ging es. Irgendwann waren wir dann im gefühlt ersten richtigen Ort nach Budapest angekommen, Rackeve. Ich wollte zur orthodoxen Kirche, die sehr bekannt ist. Ein Polizist kam auf uns zu und zeigte uns deutlich "Hier ist für euch Schluss" und wies mit der Hand in die entgegengesetzte Richtung. Wir sollten nicht in die Einbahnstraße rein fahren, was wir ja auch nicht vorhatten. Na gut, dann eben nicht. Wir werden noch viele Kirchen sehen können. Über die Brücke auf die andere Seite rüber folgte bald ein Weg entlang eines sehr schönen Donauseitenarmes. Ein Wochenendhaus neben dem anderen, alle hatten einen Steg, Kinder sprangen von dort ins Wasser. Irgendwann fanden wir auch eine kleine Gaststätte mit "Blick aufs Meer" wo wir auch essen konnten. Das war gar nicht so einfach, denn für Getränke und Eis gab es sehr viele Möglichkeiten. Das ist ja auch verständlich, denn welcher Ungar geht essen, wenn er in seiner Datsche ist. Touris sind hier eher selten und von den Fernradlern allein kann keiner leben. Dann haben wir versucht, nach einem kurzen Bogen im Hinterland wieder in Donaunähe zu fahren, aber irgendwann endete der Pfad im Biotop und wir mussten leider umkehren. Die letzten 20 km zogen sich sehr in die Länge und setzten uns wegen der Temperaturen ganz schön zu. Aber daran MÜSSEN wir uns einfach gewöhnen. In den nächsten Tagen werden die Temperaturen weiter steigen und auch die 40 Grad-Marke erreichen.
Die Unterkunft in Solt ist toll. Wir haben ein kleines Gartenhäuschen für uns allein. Die Vermieterin brachte uns ein kaltes Bier und nahm dann die Bestellung fürs Essen auf - auf einem Tablet war die Speisekarte (ungarisch) und ich habe für uns bestellt auch ungarisch. Sofort kam die Frage von der Frau wo gerlernt, wie lange, warum. Da habe ich natürlich auch ein bisschen den Charmeur raushängen lassen. Manchmal ist es schon hilfreich, Fremdsprachen zu sprechen. Leider bringt da das Ungarische nicht viel, spreche halt nur 10 Millionen Menschen. Chinesische sollte man können, aber das ist ein anderes Thema.
Morgen geht es weiter nach Dunafalva, auch knapp über 100 km. Bei den Temperaturen folgt schon die erste Steigerung. Es wird heiß werden.
Bitte jetzt keine Ratschläge wie "Viel trinken, Pausen machen, überanstrengt euch nicht" usw. Ist uns bekannt!
Bis morgen also.
PS: Ich würde mich freuen, wenn jeder Mitleser sich einmal bei den Kommentaren meldet. Bei meinem Baltikumblog erhielt ich diese Infos z.T. erst Monate später. Etwas Motivation brauche ich auch, wenn ich versuche, jeden Abend was zu schreiben.

Samstag, 29. Juli 2017

Budapest

Die Zusammenfassung gleich am Anfang:
Wir haben so viel unternommen, dass es auch für zwei oder drei Tage gereicht hätte.
Aber der Reihe nach.
So richtig ruhig konnten wir nicht schlafen. Der Straßenlärm in der Hungaria krt.  war nicht zu überhören.
Also machten wir uns mit den Rädern auf den Weg, um uns was zum Frühstücken zu suchen.
An dieser Stelle muss ich meine Kritik von gestern zu den Radwegen doch korrigieren. Wir fuhren heute zwar auf belebten Hauptsraßen, hatten aber fast immer eindeutig farblich  markierte Radwege für uns allein, oft auch die gesamte Busspur. Das war wirklich toll. Bei der Suche nach einem Bäcker oder einem kleinen Café fiel uns auf, dass wir sofort in eine Bierkneipe hätten einkehren können, aber dafür war es noch zu zeitig. Schließlich haben wir doch noch was gefunden und frische Backwaren und ein Kaffee waren eine gute Grundlage für den Tag.
Eigentlich wollten wir zur Zitadelle und von dort aus den schönsten Blick auf Budapest genießen,  bogen aber zunächst nach rechts ab Richtung Fischerbastei  und Burgviertel - also das volle Touri-Programm. War aber trotzdem sehr schön und wir genossen die schönste Aussicht auf Budapest. Das hatten wir uns auch verdient, denn wir waren ja mit dem Fahrrad unterwegs und mußten ganz schön den Burgberg rauf strampeln. Zurück ging es über die Kettenbrücke in Richtung Heldenplatz und weiter zum Stadtwäldchen. In einem sehr schönen Biergarten durften wir dann auch unser erstes Bier genießen, schließlich war es schon fünf nach 11.
Den frühen Nachmittag verbrachten wir im Szechenyi-Thermalbad, eines der bekanntesten Budapester Bäder. Ich war schon zweimal dort , hatte es aber nicht mehr so in Erinnerung: Tip-Top saniert, alles sehr gepflegt, sehr modern und trotzdem das alte Ambiente irgendwie doch erhalten. Die Devise vieler Besucher "Sehen und gesehen werden" hat auch die Zeit überlebt und wir haben uns über einige Gäste amüsiert.
Besonders verrückt fanden wir  das Bierbad. Vier  bis sechs Personen in einem Holzbottich, für 20 EUR gab es dazu eine Bier-Flatrate und Kneipenatmosphäre. Wir waren da lieber oldscool und verbrachten zum Schluß noch ein paar Minuten im 40 Grad warmen Thermalbecken, bevor wir wieder zum Biergarten fahren wollten, weil es da so gemütlich war.
Dann die Überraschung: mein Rad hatte hinten einen Platten, einfach so, vom Rumstehen. Glücklicherweise hatte ich in der Rahmentasche einen Ersatzschlauch und Werkzeug dabei, so dass wir den Schlauch schnell wechseln konnten. Wer das schon mal mit einer Nabenschaltung gemacht hat weiss, dass es doch etwas fummelig ist. War schon witzig, die Tour hat noch nicht begonnen und schon die erste Panne!  Aber vielleicht warś das auch schon, das wäre ja auch was.
Nach dem nun wohlverdienten Bier im Biergarten fuhren wir nochmal kurz ins Hostel.
Zum Abend gabś Balkan-Burger im nahegelegenen Stadtwäldchen. Sehr lecker und reichlich. Und dann waren wir auf einmal mittendrin beim Public Viewing. In Budapest finden zur Zeit die Schwimmweltmeisterschaften statt. Und dazu gehört auch Wasserball. Das Topspiel war heute Kroatien gegen Ungarn. Große Leinwand, vielleicht so 200 Leute, gute Stimmung. Leider hat Ungarn eindeutig verloren, aber bei jedem Tor oder guten Aktionen gab es Beifall. War toll.
So, und morgen geht es aber nun wirklich richtig los. Die ersten 100 km stehen an bis Solt. Aus Budapest raus wird bestimmt nervig, aber dann sollte es ruhiger werden. Auch wärmer, wir fangen mal mit 34 Grad an, bevor es sich dann im Laufe der Woche weiter steigert.

Endlich unterwegs - unser erster Tag


Pünktlich um 8 Uhr fuhr unser Flixbus vom ZOB in Berlin los. Antje und Letty als unsere Crew wurden von Anne verstärkt, die es sich nicht nehmen ließ, vor ihrer Arbeit uns eine gute Reise zu wünschen.
Mit Zwischenstopps in Berlin-Südkreuz, Prag, Brno, Bratislava und Györ kamen wir mit fast 2 Stunden Verspätung in Budapest gegen 21.45 Uhr an. Viele Baustellen und dichter Verkehr unterwegs verhinderten eine pünktliche Ankunft. Aber es war nicht langweilig. Wir hatten sonniges Wetter und die Landschaft war auch sehr schön. Man nimmt das alles ganz anders auf, wenn man nicht selbst fahren muss.
Bis wir die Fahrräder startklar hatten, verging schon einige Zeit und Eric hätte fast sein Telefon im Bus vergessen. Wenige Sekunden später und der Bus wäre samt Telefon weg gewesen.
Die ersten 6 km der Tour sind wir dann schon bei völliger Dunkelheit gefahren. Zu meinem Erstaunen gab es sogar Radwege. Spaß machte mir das aber trotzdem nicht, in Großstädten bin ich nicht gerne mit dem Rad unterwegs.
Unserer Zimmer im Hostel ist geringfügig größer als das Bett, aber wir haben ein eigenes WC und eine Dusche. Für 50 EUR für zwei Nächte habe ich auch nicht mehr erwartet.
Abendessen fiel aus, ein Bier musste reichen. Hier in der Gegend war nix los, nur eine kleine Kneipe hatte noch auf.
Morgen wollen wir vielleicht mir dem Rad zum Gellert-Berg oder ins Thermalbad. Das Stadtwäldchen mit dem bekannten Szechenyi-Bad ist ganz in der Nähe.
Wir lassen es ruhig angehen.